Value Chain Management
Der Aufbau von Value Chain Netzwerken und deren Implikationen für die strategische und integrative Abstimmung aller werttreibenden Funktionsbereiche eines Unternehmens stehen im Fokus des Forschungscluster ‚Value Chain Management‘. Dabei stehen gegenwärtig die Funktionen Beschaffung, Supply Chain Management sowie Marketing/Kommunikations- und Produktdesign im Mittelpunkt der Überlegungen. Im Rahmen der in diesem Cluster durchgeführten angewandten Forschung wird großer Wert auf den Transfer zwischen Forschung, Lehre und Praxis gelegt. Aus den Ergebnissen werden Beratungsansätze entwickelt, die vor allem Klein- und Mittelständischen Unternehmen konkrete Ansatzpunkte für strategisches Handeln bieten sollen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Einbettung der erforschten Inhalte in den Kontext des Internationalen Managements.
Diesem Forschungscluster zugeordnet sind Frau Prof. Dr. Lisa Fröhlich, verantwortlich für den Bereich Strategisches Beschaffungsmanagement und Marketing, Herr Prof. Dr. Markus Raueiser, Inhaber der Professur für International Business und Economic Geography sowie Frau Malgorzata Zmuda, Dozentin für International Business und Consulting und verantwortlich für die Studentische Unternehmensberatung der Cologne Business School.
Die folgenden Forschungsfelder stehen im Mittelpunkt der angewandten Forschungstätigkeit des Clusters ‚Value Chain Management‘:
Nachhaltiges Supply Chain Management
Die Implementierung von Nachhaltigkeitsstrategien in der gesamten unternehmerischen Supply Chain wird immer mehr zu einem zentralen Wettbewerbsfaktor. Stakeholder verlangen von Unternehmen neben originär ökonomisch ausgerichteten Zielen auch verstärkt ökologische oder soziale Aspekte in ihrer Zielhierarchie zu verankern. Nachhaltigkeitsstrategien sollten sich dabei nicht nur auf eine mögliche Gewinnsteigerung fokussieren, sondern gleichwohl gesellschaftliche und ökologische Belange in die ökonomische Verantwortung der Unternehmen mit einfließen zu lassen. Dieser Forschungsbereich setzt sich mit Themen der nachhaltigen Unternehmensführung auseinander, da die umfassende Verankerung von Aspekten der Nachhaltigkeit in der Supply Chain viele Wirtschaftsakteure vor große Herausforderungen stellt.
In einer ersten Veröffentlichung zum Thema ‚Nachhaltigkeit in der unternehmerischen Supply Chain‘ (erschienen im Verlag Fördergesellschaft Produktmarketing e.V., hrsg. v. Fröhlich/Weber/Willers 2011) findet sich eine gelungene Mischung aus Theorie und Praxis. Im Fokus stehen die Funktionsbereiche Beschaffung, Produktion und Absatz. Gerade im Funktionsbereich Beschaffung finden sich weiter interessante Forschungsfragen. In einer kürzlich an der CBS durchgeführten Analyse der Nachhaltigkeitsberichte der DAX30 Unternehmen in Bezug auf beschaffungspolitische Aktivitäten ergaben sich interessante Einblicke in die Vielfältigkeit der Herausforderungen vor denen Beschaffungsmanger stehen (erschienen in Best in Procurement 2012).
Ein weiterer Forschungsschwerpunkt zum Thema ‚Nachhaltiges Konsumentenverhalten‘ befindet sich im Aufbau. Studien zeigen, dass Konsumenten grundsätzlich Produkte bevorzugen würden, die nachhaltig produziert und vermarktet werden. Die gegenwärtig genutzten Marktsegmentierungsansätze machen aber deutlich, dass ein Großteil potentiell ‚grüner Kunden‘ aus den unterschiedlichsten Gründen (Risiken) schwer durch den nachhaltigen Einsatz marketingpolitischer Instrumente zu erreichen sind. Die aus Kundensicht immer wieder postulierte Bereitschaft, höhere Preise zu zahlen, findet sich in der Praxis nur selten. Auch erscheint es aus Unternehmenssicht wichtig, über zukünftige Möglichkeiten der ‚Konsumentenerziehung‘ nachzudenken.
Gestaltung von Organisationsstrukturen in der Beschaffung
Neben der Struktur der Beschaffungsorganisation wurden die Verantwortlichkeit in der Supply Chain sowie die Führungsfunktion der Beschaffung als wesentliche Faktoren des Wandels in der Funktion Beschaffung isoliert. Daraus ergeben sich zahlreiche Forschungsfragen, die in diesem Forschungsfeld adressiert werden. Der mögliche Wertbeitrag der strategischen Beschaffungsfunktion wird mittlerweile nicht mehr in Frage gestellt. Wie jedoch diese Funktion zu organisieren ist bzw. die Beziehungen zu leistungsstarken Lieferanten, bleibt in der Forschung noch weitgehend unbeantwortet. Zu dieser Fragestellung ist bereits eine erste Veröffentlichung in 2010 erschienen mit dem Titel ‚Gibt es die optimale Einkaufsorganisation‘ (Fröhlich/Lingohr Gabler Verlag). Wesentliche Inhalte der geplanten zweiten Auflage liegen im Aufbau strategischer Wertschöpfungspartnerschaften, der Frage nach der optimalen Organisation zur Strategieimplementierung, Reorganisation globaler Organisationsstrukturen oder dem Aufbau und Einsatz cross-funktionaler Beschaffungsteams.
Die Fragestellung inwieweit Organisationsstrukturen zu verändern sind und in welcher Weise, um die Strategieimplementierung im Funktionsbereich Beschaffung zu verbessern, ist Gegenstand eines externen Promotionsvorhabens an der Cologne Business School. Zusammen mit einem namhaften Beratungsunternehmen soll aus den empirischen Ergebnissen ein Beratungsansatz entwickelt werden, der es auch Klein- und Mittelständischen Unternehmen erlaubt, die in der Regel über weniger ausgeprägte Ressourcen verfügen, um sich den Herausforderungen des strategischen Wandels in der Beschaffung zu stellen, Beschaffungsstrategien erfolgreich zu implementieren.
Eine weitere Forschungsfrage befasst sich mit dem Aufbau eines theoretischen Bezugsrahmens, um organisatorische Strukturen in der Beschaffung zu verändern bzw. anzupassen. Es soll dabei aufgezeigt werden, wann ein organisatorischer Wandel unter welchen Bedingungen notwendig ist, um die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens auch in der Zukunft nicht zu gefährden. Dabei soll auch der globale Aspekt nicht außer Acht gelassen werden. Besonders weltweit operierende Konzerne stehen immer wieder vor der Herausforderung, ihre globalen Beschaffungsstrukturen zu adaptieren und zu optimieren.
Wissensmanagement klein- und mittelständischer Unternehmen
Laut Studien lassen sich bis zu 60 % der Wertschöpfung eines Unternehmens auf den immateriellen Vermögensgegenstand Wissen zurückführen. Im Funktionsbereich Beschaffung existiert wettbewerbsstärkendes Wissen – speziell bezogen auf den Lieferanten – das jedoch weder systematisch aufbereitet noch mit den Kompetenzen anderer marktbestimmender Funktionsbereiche vernetzt wird. Um den Wertbeitrag der Beschaffung zukünftiger besser sichtbar zu machen, liegt der Fokus dieses Forschungsbereichs auf der Kalkulation eines Lieferantenwerts, um strategisches Wissen nachhaltig in der Funktion zu implementieren. Dabei soll nicht nur eine theoretische Struktur eines Lieferantenwerts entwickelt werden, sondern die Voraussetzungen in den beiden Funktionen Einkauf und Controlling geschaffen werden, um diesen Wert zu quantifizieren. Auch dieses Forschungsprojekt wird in Zusammenarbeit mit einem Beratungsunternehmen durchgeführt. Wie in der Einleitung zu diesem Forschungscluster bereits erläutert, liegt der Fokus der Cologne Business School auf der angewandten Forschung, um die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in allen Bereichen der Wertschöpfungskette zu stärken.
Ein weiteres Forschungsfeld im Rahmen des wertorientierten Wissensmanagements liegt in der Frage begründet, wie man das Wissen um strategisch wichtige Lieferanten nutzbar machen kann, um eigene Wettbewerbsvorteile zu realisieren, indem man den Lieferanten z.B. als Ressource in den eigenen Produktionsprozess einbindet, um innovativere/langlebigere Endprodukte als die der Konkurrenz auf den Markt zu bringen. Neueste Ansätze virtueller Collaboration-Modelle sollen dazu herangezogen werden, Handlungsempfehlungen für Unternehmen zu entwickeln, um die Ressource Lieferant in unternehmerischen Innovationsprozessen zukünftig effizienter nutzen zu können. Eine erste Veröffentlichung zu diesem Forschungsthema ist Ende des Jahres 2012 geplant.
Bei Fragen und Anregungen zu diesem Forschungscluster wenden Sie sich bitte an Prof. Dr. Lisa Fröhlich.